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Warum und wozu ein Familien-Archiv ? |
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Es geht bei unserem Familien-Archiv nicht um die Konsanguinität (Blutsverwandtschaft, genetische Verwandtschaft) oder um die Geschichte von Flucht und Vertreibung, sondern um die persönlichen Vorfahren und damals gleichzeitig lebenden Verwandten und vor allem um die heute lebenden Nachkommen. Meistens kennen sich diese entfernten Verwandten nicht oder haben oft nur von einander gehört und haben einen meist weit zurück liegenden gemeinsamen väterlichen oder mütterlichen Vorfahren. Oft fehlte auch die örtliche Nähe und die Familien haben sich aus den Augen verloren. |
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Wie groß diese Fremdheit sein kann, das habe ich selbst erlebt, den ich wurde zusammen mit meinem Bruder Erbe in einem Teil der Familie, zu der ich eigentlich keinen Kontakt hatte und habe. Ausgerechnet nur zu dieser einen Tante gab es einen fast regelmäßigen Kontakt von mir. Sie zu beerben hatte ich jedoch nie erwartet. Die Tante war für mich eine viel zu entfernte Verwandte. Meinem Bruder ging es genauso. Was hatte auch die Familie Jung mit der Familie Meier zu tun. Wie ich jetzt weiß, einiges. In jungen Jahren hatte mich das nicht besonders interessiert, jetzt jedoch kann ich keinen mehr über die Verwandtschaft befragen. Es helfen nur noch Urkunden und somit bleiben viele Fragen. Einige Urkunden sind im Krieg verloren gegangen und viele verbliebenen Fotos sind leider unbeschriftet. Wer ist da drauf ? Mit wem feiern meine Leute auf den Fotos ? Wer wurde da besucht und wo ist das ? Mit wem sind sie dort unterwegs ? |
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Unsere Familien kamen - soweit bekannt - aus Preußen (Ostpreußen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schlesien, Westfalen) und dort aus Masuren, der Wische, dem Ruhrgebiet und dem Westerwald, aber auch aus dem Bayerischen Wald, aus Altona und Berlin oder auch von außerhalb Deutschlands, aus Litauen, Österreich-Ungarn, Siebenbürgen, Frankreich, Belgien und einige leben auch heute noch dort. Andere leben inzwischen in Schweden, den USA, Kannada, Argentinien und Uruguay oder Israel. Aber dieses kann sich jederzeit noch ändern und wird dann noch unübersichtlicher werden, da es kaum möglich ist zu allen Kontakt zu halten. Die Aufstellung wird immer unvollständig bleiben. |
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Die eigenen Kinder oder Enkel fragen beim Blick auf alte Fotos oft " Wer ist das und haben die Kinder". Oft weiß man es selbst nicht. Stammbäume, Stammtafeln und Ahnenpässe helfen wenig, den sie zeigen nicht die gleichzeitig lebenden und schon gar nicht aufwärts die Geschwister - Oft fehlen in Aufzeichnungen Halbgeschwister, uneheliche oder adoptierte Kinder - und deren Abkömmlinge oder die noch lebenden Personen weil alle Kontakte abgebrochen ist. Viele Stammbäume sind bewusst manipuliert, Das 3. Reich lässt grüssen. Oft fehl die komplette mütterliche Linie. Es sind nur die Ehefrauen aufgeführt, der Rest der mütterlichen Verwandten fehlt. Die gleichzeitig Lebenden kannten sich aber. Diese Verwandten lassen sich heute nur noch aus erhaltenen Briefen rekonstruieren. Manchmal wurden sie später fälschlicher Weise als Nenntanten oder Nennonkel bezeichnet. |
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Man spricht oft davon, man sei über Ecken verwandt oder nur angeheiratet. Was aber für die dazugehörigen Kinder jedoch nicht zutrifft. Sie gehören zu beiden Familien. Vielen ist die Herkunft und die Verwandtschaft egal. Das ist jedem selbst überlassen, was ihn intressiert. Da kann jeder hinein interpretieren, was er will. Auf jeden Fall ist jeder für sich selbst verantwortlich und nicht die Familie, egal wo jemand herkommt und wie erfolgreich er ist. Niemand muss stolz auf seine Familie sein oder sich dieser schämen. Meist gibt es für beides keinen Grund. Dafür gibt es zu viele Zufälle, Abhängigkeiten und Mitspieler im Leben. Einige hatten mehr, andere weniger Glück. Einige waren zu ehrlich, andere waren es nicht. Einige nervten andere waren Nett, verbreiteten Fried, Freude, Eichkuchen. Alle versuchten ihre Träume zu erreichen. Einige erlebten sie, viele nicht oder starben zu früh und andere profitieren davon. Der Stammbaum ist jedoch ungeeignet Familienfehden zu führen. Hier kann niemand sehen, was für ein Mensch jemand war oder ist. Einige habe mehr Spüren ihres Lebens hinterlassen andere nicht. Kompromittierende Dinge gehören hier nicht hin. |
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Ich erlebte auf unserem Wertstoffhof, dass sich dort zwei mir bekannte Personen unterhielten - man kannte sich vom Sehen - und im Gespräch stellten beide fest, sie haben den gleichen Onkel und sind - man staunte gewaltig - Cousin und Cousine. Zur Zeit geht es mir mit einigen Verwandten - neben denen ich mehre Jahre Tür an Tür gewohnt habe und oft zu Besuch war - genauso . Wie sind die Familien verwandt ? Warum gibt es Bilder mit meiner Großmutter und einer damals noch sehr jungen Tante von 1900 . Wie und wo ist die Verknüpfung ? Viele sagen über mein Urgroßmutter seien sie verwandt. Die noch vorhandenen Unterlagen geben jedoch nichts her. Nur die örtliche Nähe der Wohnorte und der sehr enge Kont5akt innerhalb der beiden Familien läst es vermuten. Die Personen, die es genau wussten, leben nicht mehr. Keiner hatte sie gefragt und jetzt geht es nicht mehr. |
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Der Hochadel war da meist präziser und besser informiert. Man wusste, wo die anderen herkamen und wer zu welcher Seitenlinie gehörte und führte Buch darüber. Denn es waren damit Rechte und Privilegien, aber auch Verpflichtungen verbunden. Da man unter sich blieb, ließen sich in der späteren Forschung auch einige Erbkrankheiten und damit verbundene Risiken klären. Das dürfte hier in dieser Aufstellung nicht der Fall sein, Es fehlen die Angaben. |
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Am Anfang waren es Hunger und materielle Not oder Verfolgung durch Pogrome, und massive Unterdrückung (z.B. gegen Hugenotten, andere Protestanten, Philipponen oder Juden, was sich mehrmals wiederholte), später waren wieder Hunger und Freiheitskriege Ursache für die Wanderungen der Familien. Die Preußen dagegen waren da erstaunlich flexibel, wer ihnen nützte, der konnte kommen, Dann war es die Landflucht zu Beginn der Industrialisierung. Vor allem nach der Reichsgründung wuchsen die Städte und Industriestandorte sehr schnell. Hier gab es Arbeit und damit Brot und die Chance auf einen gewissen Wohlstand, dann kam der 1. und später der 2. Weltkrieg, die Vertreibung, danach die Trostlosigkeit in einigen Teilen Deutschlands nach dem Krieg, welche zur erneuten Wanderungen der Familien führte. |
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Nach dem 2. Weltkrieg waren es auch die Älteren - meist Vertriebene - die alles verloren hatten und noch einmal wo anders von vorne anfangen mussten. Zu vor waren es überwiegend die Jüngeren, die in die Fremde gingen. Sie wollten es für ihre Familien in Zukunft besser haben und vor allem sich wohl und gesichert fühlen und zufrieden in die Zukunft schauen. Ein leider auch in der Fremde oft schwieriges Geschäft. Für große Wanderungen musste die Not substanziell oder/und die Verlockung und die Hoffnung auf Besserung sehr groß sein. Freiwillig ging keiner. Heute ist es vor allem die Berufswahl oder die Liebe, die zum Wohnsitz-wechsel der Einzelnen führt. Aber das war auch schon früher so. Aber man reiste damals ohne Not selten sehr weit. |
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In unserem Archiv gibt es mehre Aufstellungen mit insgesamt über 1000 Personen (teilweise leider unvollständig). Die Aufzeichnungen beginnen in der Regel nach dem Jahr 1700. Es sind 8 bis 10 Generationen, die erfasst wurden. Dieses Archiv ist ein Langzeitprojekt. Die größte Leistung hatten 1986 zwei Mitglieder der Familie Podewski erbracht und ca. 680 Personen erfasst. Sie fusten mit ihrer Arbeit auf den Arbeiten drei weiterer Vorgänger. Aber auch andere Mitglieder aus den Familien Meier, Dulias, Krone, Galle, Piening, Bergmann und Kiss haben später sehr umfangreich mit Auskünften, Urkunden und Fotos beigetragen. Es wäre nun schade diese Arbeit irgendwo liegen zu lassen oder gar zu vernichten. Vollständig wird sie logischerweise nie. Auch die Aufarbeitung von Unterlagen erfordert einige Zeit. |
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Als Quellen gibt es vor 1876 meist nur Steuer und Abgabenbücher und die Kirchenbücher. Die erste Anweisung zur Führung von Kirchenbüchern stammt mit wenig Erfolg von 1435 . im Jahr 1614 wurden dann die ersten Formulare entworfen. Von Anfang an wurden Kirchenbücher erst von den Protestanten konsequent geführt. In katholischen Gebieten dauerte es etwas länger. Sie wurden dort bis 1800 in Lateinischer Sprache geführt, was das lesen nicht einfacher macht. Bei den Protestanten erfolgte fast immer in der Landessprache. Die Kirchenbücher sind oft die einzige Quelle zur Existenz einer Person. Leider sind nur kirchlich relevante Dinge wie Taufe, Heirat und Tod eingetragen, Bei den Geburten hapert es. In Deutschland wurden Zivile Standesämter zwischen 1792 und 1808 im französisch besetzen Rheinland eingeführt. Die ältesten Standesamtsbücher datieren von 1792. Standesämter sind in Deutschland - seit 1. Februar 1870 im Großherzogtum Baden, ab 1. Oktober 1874 im Königreich Preußen - sowie ab dem 1. Januar 1876 im restlichen Gebiet des Deutschen Reiches eingeführt und lösten dort die Funktion der Kirchenbücher ab. |
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Einige jüngere Familienmitglieder wurden Erben ohne genau zu wissen von wem und warum. Es ging uns allen darum den Fragen der Kinder zur Familie einzelne Gesichter und Dokumente zu geben. Es geht im Archiv nicht um Selbstdarstellungen, adelig oder nicht, Erfolg, Reichtum oder Versagen, es geht hier auch nicht um Erbschaften, Gerüchte und Geschichten. Dafür ist kaum Platz und es hilf auch keinem weiter. Es waren sehr viele - leider oft ungeordnete - Fotos und Dokumente vorhanden, die wir nun anderen zugänglich machen wollen. |
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Um 1900 war die Photographie sehr teuer und Photos selten und wertvoll. Man ging festlich gekleidet zu einem Photografen und die Bilder wurden gestellt. Zu vor gab es nur Gemälde und die waren noch sehr viel teurer und stellten den Gemahlten in eine würdevolles Umgebung. Das konnten sich nur sehr Wohlhabende leisten. Bei uns war es anders. Ich bin meinem Großvater unendlich dankbar, dass er auf die Rückseite der wenigen noch erhaltenen Fotos schrieb, wer vorne drauf ist und wann und manchmal auch wo das Bild entstand. So kann ich das älteste Foto einem Ururgroßvater zuschreiben der 1877 gestorben ist. Ab 1920-30 wurde die Fotografie bezahlbarer und man knipste nun meist selbst. Der Krieg vernichtete sehr viel Fotos und Unterlagen. Das Haus meines Großvaters brannte bis auf die Grundmauern ab. Nach dem Krieg gab es die ersten Farbfotos, meist blieb es bis in die 60 Jahre aus Kostengründen bei Schwarz-Weiß. Dann kamen die Dias auf. Meine Eltern, Tanten und Verwandten haben mir Kisten mit Negativen, Dias, Fotos und Alben meist ohne Beschriftung übergeben. Wenn ich die Personen nicht persönlich kennen würde, schaute es schlecht aus. Meine Kinder würden nicht einmal die eigenen Großmütter erkennen, geschweige den die Urgroßväter. Inzwischen hat die digital Fotografie Bilder in allen Lebenslagen ermöglich. Nun ist es noch dramatischer geworden, denn der Dateiname IMG 0516 oder DSFC 5620 hilft einem da nicht weiter. Und die Masse der Fotos ist gewaltig geworden. Man kann mit einigem Aufwand Texte im Kopf der Datei oder im Dateinamen unterbringen, aber wer macht das bei tausenden Fotos ? Nun gibt es inzwischen Gesichtserkennungsprogramme, die in Sozialen Netzwerken nach dem Namen, der Anschrift und der Telefon Nr. der Person suchen. Viel Spaß bei alten Fotos. Die Fragen nach den Vorfahren und noch vorhandenen Verwandten ist vorhanden und kommt irgend wann immer wieder vor und dann kann man keine Antwort geben und niemanden nach diesen fragen. Wichtig ist es nicht, aber meine Töchter, Nichten und Enkel stellen inzwischen diese Fragen und auch die Frage, warum man die andere Verwandten nicht kennt. Ich soll mal schnell per E- Mail Fotos schicken oder mir welche schicken lassen. |
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Hierzu ein Auszug aus einem Reisebericht meines verstorbenen Bruders nach Masuren, der im Internet zu finden ist: Also begann ich mit Recherchen zur Heimat meiner Mutter. Während meine Mutter eher dazu neigte, Taten zu vollbringen (wie meine Oma), also durch ihr Tun Lebensmarken zu setzen, sie war eine agierende Person, hatte ihre Schwester den Drang sich zu positionieren, aufzufallen. Diese Eigenart war für sie nicht immer von Vorteil und führte schließlich auch dazu, das sie im hohen Alter recht einsam stand und niemand aus der ganzen Familie so recht etwas von ihr wissen wollte. Selbst heute, Jahre nach ihrem Tode, gibt es z.T. innerhalb der Verwandtschaft immer noch nicht ganz verheilte Wunden, die eine Kommunikation teilweise unmöglich machen. Da auch ich in einige Ihrer Problemfälle hineingezogen wurde, hatte ich bis zu ihrem Tode so gut wie keinen Kontakt mehr zu Ihr, auch wenn ich aus der Familie der letzte war, der mit Ihr noch persönlichen Kontakt hatte. Dieser Darstellungswahn, der Mensch, zu dem sie geworden ist, ist höchstwahrscheinlich auch ein Folge der Kriegsjahre und der Nachkriegsjahre. Allerdings ist das nur meine Vermutung, nachweisen kann man das heute nur schwer. (Kurze Anm. Ich wurde von ihr testamentarisch zum Testamentsvollstrecker (nicht zum Erben) eingesetzt. Und musste 43 Seiten Testament umsetzten. Wie ich später von anderen Familienmitgliedern erfuhr, war sie nicht die Einzige, die irgendwie ihre Macken hatte. Der 2. Weltkrieg zeigte seine späten Folgen. Mein Bruder hatte irgendwie Recht) |
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Fragen zu den Lebenswerken der Einzelnen werden hier in der Regel nicht beantwortet, das ist nicht die Aufgabe dieses Archivs. Einige Familienmitglieder haben Bücher über ihr Leben veröffentlicht. Sie sind im Handel erhältlich und die ISDN Nr. und Bezugsquellen werden an der entsprechenden Stelle genannt. Es wird - so weit bekannt - der Beruf, der Geburtsort und Sterbeort und eine eventuelle Heirat, eventuell auch die Konfession angegeben. Fotos und Dokumente werden nur mit kurzem erklärenden Text wie Name, Jahr und eventuell wo es entstand. Das Archiv ist für alle gedacht, die Interesse an Fragen zur Familie haben. Der Aufbau wird jedoch noch sehr viel Zeit erfordern. |
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